Systemische Infektionen betreffen den ganzen Körper und können auch das Auge schädigen. Häufig kommt es zu einer Entzündung im Inneren des Auges. Ursachen sind unter anderem Viren, Bakterien oder Parasiten. Die Behandlung richtet sich nach dem jeweiligen Erreger. Oft ist eine Kombination aus entzündungshemmender und antimikrobieller Therapie nötig.
Warum das Auge bei Körperinfektionen mitbetroffen ist
Netzhaut und Aderhaut gehören zu den am stärksten durchbluteten Geweben des Körpers. Über diesen Weg erreichen Erreger aus dem Blut auch das Auge. Zugleich ist das Augeninnere ein immunologisch besonderer Raum: Um das empfindliche optische System zu schützen, läuft die Abwehr hier gedämpft ab. Das bewahrt das Sehen vor überschiessenden Entzündungen, erlaubt es manchen Erregern aber auch, sich länger zu halten. Deshalb kann sich eine Allgemeininfektion am Auge zeigen, bevor sie anderswo auffällt, und deshalb sind Befunde am Augenhintergrund oft der Schlüssel zur Diagnose einer Erkrankung des ganzen Körpers.
Häufige Erreger und ihre Zeichen am Auge
- Herpes- und Varizella-Zoster-Viren: Hornhautentzündung, Uveitis und Netzhautbeteiligung; die Gürtelrose im Gesicht kann das Auge einbeziehen
- Toxoplasma gondii: häufigste Ursache einer Netzhaut-Aderhaut-Entzündung im hinteren Augenabschnitt
- Mycobacterium tuberculosis: chronische Entzündungen der Aderhaut, oft schleichend
- Syphilis (Treponema pallidum): kann praktisch jedes Bild am Auge nachahmen, sie wird deshalb bei unklarer Uveitis grundsätzlich mitgetestet
- Borreliose: nach Zeckenstich, mit Entzündungen verschiedener Augenabschnitte
- Bakterielle Streuherde: etwa bei Herzklappenentzündung oder Blutvergiftung, eine Endophthalmitis ist ein Notfall
- Pilze: vor allem bei geschwächter Abwehr, nach längeren Spitalaufenthalten oder unter Immunsuppression
Diagnose in unserer Praxis
Am Anfang steht die genaue Untersuchung des Auges an der Spaltlampe und des Augenhintergrunds in erweiterter Pupille. Das Muster der Entzündung liefert wichtige Hinweise auf den Erreger. Ebenso wichtig ist das Gespräch über Vorerkrankungen, Medikamente, Reisen, Tierkontakte und Zeckenstiche. Daran schliessen sich gezielte Blutuntersuchungen und Erregertests an; bei unklaren Fällen kann eine Probe aus dem Augeninnern nötig sein. Weil hier eine Allgemeinerkrankung dahintersteht, arbeiten wir eng mit Ihrer Hausarztpraxis sowie mit Infektiologie und Rheumatologie zusammen. Die Behandlung des Auges allein greift in diesen Fällen zu kurz.
Behandlung
Behandelt wird immer der Erreger, mit Virostatika, Antibiotika, Antiparasitika oder Antimykotika, in der Regel als Tabletten oder Infusion, weil das Medikament das Augeninnere erreichen muss. Ergänzend werden entzündungshemmende Mittel eingesetzt, um die Schädigung durch die Immunreaktion selbst zu begrenzen. Der Zeitpunkt ist dabei entscheidend: Kortison darf erst unter wirksamem Erregerschutz gegeben werden, sonst verschlimmert es die Infektion. Genau deshalb gehört jedes entzündete Auge abgeklärt, bevor kortisonhaltige Tropfen zum Einsatz kommen. Bei schweren Verläufen kann eine Medikamentengabe direkt ins Auge oder eine Vitrektomie nötig sein.
