Öffnet in einem neuen Tab

Tuberkulose (Auge)

Eine seltene, aber behandelbare Augeninfektion, meist Teil einer Körpererkrankung

Die okuläre Tuberkulose ist eine seltene Infektion des Auges. Sie entsteht meist im Rahmen einer systemischen Tuberkulose. Das Auge wird über das Blut mitbetroffen. Symptome sind schleichende Entzündungen und Sehverschlechterung. Die Behandlung erfolgt mit langfristiger Antibiotikatherapie.

Wie die Tuberkulose ins Auge gelangt

Mycobacterium tuberculosis befällt zunächst meist die Lunge. Von dort können die Erreger über die Blutbahn streuen und die stark durchblutete Aderhaut erreichen. Dort können sie über Jahre ruhen, in einer sogenannten latenten Infektion, ohne jede Beschwerde. Erst wenn die Immunabwehr nachlässt, etwa durch Alter, Erkrankungen oder eine immunsuppressive Therapie, kann die Infektion aktiv werden. Bemerkenswert ist: Ein erheblicher Teil der Betroffenen hat keine aktive Lungentuberkulose und keine typischen Allgemeinsymptome. Das Auge ist dann der einzige sichtbare Ort der Erkrankung. Erhöht ist das Risiko bei Herkunft aus oder längerem Aufenthalt in Regionen mit hoher Tuberkulosehäufigkeit, bei bekanntem Kontakt zu Erkrankten, bei HIV-Infektion und unter Behandlung mit modernen Immunmedikamenten.

Erscheinungsformen am Auge

  • Aderhauttuberkel: einzelne oder mehrere gelbliche Herde am Augenhintergrund, die klassische Form
  • Serpiginöse Chorioretinitis: landkartenartig fortschreitende Herde, die sich langsam ausbreiten
  • Chronische Uveitis: häufig therapieresistent gegenüber alleiniger Kortisonbehandlung, genau das macht stutzig
  • Entzündung der Netzhautgefässe mit Blutungen und Gefässverschlüssen
  • Sehnervbeteiligung, selten, aber mit deutlichem Sehverlust

Diagnose in unserer Praxis

Der direkte Erregernachweis aus dem Auge gelingt nur selten, deshalb stützt sich die Diagnose auf mehrere Bausteine: das typische Bild am Augenhintergrund, den Nachweis einer Tuberkuloseinfektion im Blut mit einem Interferon-Gamma-Test, eine Röntgen- oder Computertomografieaufnahme der Lunge sowie den Ausschluss anderer Ursachen wie Syphilis oder Sarkoidose. Diese Abklärung führen wir gemeinsam mit Infektiologie und Pneumologie durch. Wichtig zu wissen: Ein positiver Interferon-Gamma-Test belegt lediglich, dass eine Tuberkuloseinfektion vorliegt. Ob sie tatsächlich die Augenentzündung verursacht, ergibt sich erst aus der Gesamtschau. Nicht selten bestätigt sich die Diagnose rückblickend dadurch, dass die Entzündung unter der Tuberkulosetherapie abheilt.

Behandlung

Behandelt wird wie eine Tuberkulose des Körpers: mit einer Kombination mehrerer Antibiotika über insgesamt sechs bis neun Monate, zu Beginn in einer intensiveren Phase mit vier Wirkstoffen, danach in einer Erhaltungsphase. Ergänzend wird meist Kortison eingesetzt, um die entzündliche Schädigung des Gewebes zu begrenzen, jedoch immer erst unter laufender antibiotischer Therapie, niemals allein. Die konsequente Einnahme über die gesamte Dauer ist entscheidend: Ein vorzeitiger Abbruch führt zu Rückfällen und begünstigt resistente Erreger. Weil eines der Standardmedikamente in seltenen Fällen selbst den Sehnerv schädigen kann, sind während der Behandlung regelmässige augenärztliche Kontrollen von Sehschärfe und Farbsehen vorgesehen. Diese übernehmen wir in Worb und Konolfingen.

Beitrag auf Teilen mit:
Häufig gestellte Fragen

Symptome

Charakteristisch ist der schleichende Beginn über Wochen bis Monate.

  • Verschwommenes Sehen

    Allmählich zunehmend

  • Schwebeteilchen und Schleier

    Sie nehmen langsam zu

  • Rötung und Lichtscheu

    Gelegentlich

  • Späte Diagnose

    Weil die Beschwerden unspezifisch sind und langsam zunehmen, vergeht oft viel Zeit

  • Begleitende Allgemeinzeichen

    Anhaltender Husten, Fieber, Nachtschweiss, ungewollter Gewichtsverlust und Müdigkeit

Erwähnen Sie beim Termin zudem frühere Tuberkulosekontakte oder Auslandaufenthalte.

Wann Sie zum Augenarzt sollten

Zeitnah bei über Wochen zunehmendem verschwommenem Sehen oder vermehrten Schwebeteilchen, insbesondere in Kombination mit Husten, Fieber, Nachtschweiss oder Gewichtsverlust. Ebenso, wenn eine Augenentzündung unter der üblichen Behandlung nicht abheilt oder immer wiederkehrt. Melden Sie sich während einer laufenden Tuberkulosetherapie sofort, wenn Sehschärfe oder Farbwahrnehmung nachlassen.

Bitte beachten Sie, dass Symptome und Sehstörungen ausschliesslich im Rahmen einer persönlichen Konsultation in der Praxis richtig beurteilt werden können.

Häufig gestellte Fragen

Die Augenbeteiligung selbst ist nicht ansteckend. Übertragen wird Tuberkulose nur über die Atemwege bei aktiver Lungentuberkulose. Ob eine solche vorliegt, wird im Rahmen der Abklärung geprüft.

Häufig verläuft die Erstinfektion unbemerkt, und die Erreger ruhen jahrzehntelang im Körper. Erst wenn die Abwehr nachlässt, können sie wieder aktiv werden.

Mykobakterien vermehren sich sehr langsam und sind von einer widerstandsfähigen Hülle geschützt. Nur eine monatelange Kombinationstherapie erreicht auch die ruhenden Erreger zuverlässig.

Bei früher Behandlung heilt die Entzündung häufig gut aus. Narben an der Netzhautmitte oder am Sehnerv können bleibende Einschränkungen hinterlassen. Deshalb ist der rasche Beginn so wichtig.

Vereinbaren Sie noch heute einen Termin

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf, wir freuen uns auf Ihren Besuch!

In Worb und Konolfingen empfangen wir Sie mit einem freundlichen Team, kurzen Wartezeiten und einer sorgfältigen Abklärung all Ihrer Anliegen rund ums Auge. Ob Routinekontrolle, Sehschwäche oder komplexe Augenerkrankung – bei uns sind Sie in besten Händen.
Termin vereinbaren
Datenschutz