Das Ektropium ist eine nach aussen gedrehte Lidkante. Dadurch wird das Auge nicht mehr richtig geschützt und tränt oft. Ursache ist meist Alterserschlaffung oder Nervenschädigung. Es kann zu Reizungen und Entzündungen kommen. Die Behandlung erfolgt meist operativ.
Ursachen und Formen
Das Unterlid wird durch Bänder an den Augenwinkeln und einen ringförmigen Muskel in Position gehalten. Lässt diese Spannung nach, kippt die Lidkante nach aussen. Unterschieden werden:
- Altersbedingt: die häufigste Form durch Erschlaffung der Bänder
- Narbenbedingt: nach Verletzungen, Verbrennungen, Hauttumoroperationen oder Bestrahlung zieht vernarbte Haut das Lid nach unten
- Lähmungsbedingt: bei einer Fazialisparese fällt der Lidschlussmuskel aus, hier ist die Hornhaut besonders gefährdet
- Mechanisch: durch Lidtumoren oder ausgeprägte Schwellungen
Abzugrenzen sind zwei andere Lidveränderungen: Beim Entropium dreht sich die Lidkante umgekehrt nach innen, sodass die Wimpern auf der Hornhaut reiben. Bei der Dermatochalase ist die Lidstellung normal, doch überschüssige Haut am Oberlid engt das Blickfeld ein.
Warum das Auge dabei tränt
Die Tränenflüssigkeit fliesst normalerweise über ein kleines Pünktchen am inneren Lidrand ab, das dem Augapfel dicht anliegen muss. Kippt das Lid nach aussen, verliert dieses Pünktchen den Kontakt. Die Tränen können nicht mehr abfliessen und laufen über die Wange. Gleichzeitig ist die Bindehaut ungeschützt der Luft ausgesetzt, trocknet aus und reizt, was zusätzlich Tränenfluss auslöst. Das ständige Abwischen zieht das Lid weiter nach unten und verstärkt das Problem.
Diagnose in unserer Praxis
Wir prüfen die Lidspannung mit einfachen Tests: Wie weit lässt sich das Lid vom Auge abheben, und wie schnell legt es sich nach dem Zurückziehen wieder an? Daraus ergibt sich, welche Struktur erschlafft ist und wie operiert werden muss. An der Spaltlampe beurteilen wir mit einer Färbung, ob die Hornhaut bereits geschädigt ist, und prüfen die Tränenwege. Bei narbenbedingten Formen erfassen wir zusätzlich das Ausmass des Hautmangels, da dann Gewebe ersetzt werden muss.
Behandlung
Befeuchtende Tropfen und Augensalben schützen die Hornhaut und lindern die Beschwerden, beheben die Fehlstellung aber nicht, sie sind eine Überbrückung. Die eigentliche Behandlung ist operativ: Bei der altersbedingten Form wird das Lid gestrafft, indem ein kleiner Anteil des überdehnten Gewebes entfernt und das Lidbändchen am äusseren Augenwinkel wieder gespannt wird. Der Eingriff erfolgt ambulant in örtlicher Betäubung und dauert etwa 30 bis 45 Minuten. Bei narbenbedingtem Ektropium muss zusätzlich Haut ersetzt werden, bei Lähmungen kommen stützende Verfahren zum Einsatz. Die Ergebnisse sind in der Regel dauerhaft und die Beschwerden verschwinden meist vollständig.
