Diabetes kann die kleinen Blutgefässe der Netzhaut schädigen. Dadurch kommt es zu Durchblutungsstörungen und Flüssigkeitsaustritt. Anfangs bleiben die Veränderungen oft unbemerkt. Im Verlauf kann es zu Sehverlust oder Netzhautkomplikationen kommen. Wichtig sind eine gute Blutzuckerkontrolle und regelmässige Augenkontrollen.
Wie Diabetes das Auge schädigt
Dauerhaft erhöhter Blutzucker greift die Wand der kleinsten Blutgefässe an. In der Netzhaut, die auf eine sehr feine Gefässversorgung angewiesen ist, wirkt sich das besonders früh aus: Die Gefässe werden undicht, Flüssigkeit und Fette treten ins Gewebe aus, andere Gefässe verschliessen sich ganz. Wo die Durchblutung fehlt, sendet die Netzhaut Botenstoffe aus, die neue Gefässe spriessen lassen. Doch diese sind brüchig, bluten leicht und ziehen an der Netzhaut. Neben dieser diabetischen Retinopathie erhöht Diabetes auch das Risiko für Grauen Star, Glaukom und wiederkehrende Lidrandentzündungen.
Wie schnell das geschieht, hängt vor allem von der Krankheitsdauer und der Blutzuckereinstellung ab. Verstärkend wirken Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Rauchen, Nierenerkrankungen und Schwangerschaft.
Empfohlene Kontrollintervalle
Die Empfehlungen in der Schweiz sehen folgende Abstände vor. Das konkrete Intervall legen wir anhand Ihres Befunds fest:
- Typ-1-Diabetes: erste Untersuchung spätestens fünf Jahre nach Diagnosestellung, danach alle ein bis zwei Jahre
- Typ-2-Diabetes: Untersuchung bereits bei Diagnosestellung, denn hier bestehen oft schon Veränderungen; ohne Befund danach etwa alle zwei Jahre
- Bei bestehender Retinopathie: deutlich kürzere Abstände, je nach Schweregrad jährlich bis vierteljährlich
- In der Schwangerschaft: Kontrolle vor oder früh in der Schwangerschaft und danach engmaschig, da sich eine Retinopathie rasch verschlechtern kann
Diagnose in unserer Praxis
Kernstück ist die Untersuchung des Augenhintergrunds in erweiterter Pupille. Dabei achten wir auf Mikroaneurysmen, Blutungen, Fettablagerungen und Gefässveränderungen. Die optische Kohärenztomografie (OCT) zeigt eine Schwellung der Netzhautmitte im Querschnitt und erkennt ein Makulaödem, bevor die Sehschärfe abnimmt. Bei fortgeschrittenen Befunden ergänzt eine Gefässdarstellung das Bild und zeigt minderdurchblutete Areale. Die Befunde stufen wir ein und stimmen das Vorgehen mit Ihrer Hausarzt- oder Diabetespraxis ab. Augen- und Stoffwechselbehandlung gehören zusammen.
Behandlungsmöglichkeiten
- Stoffwechseleinstellung: die wirksamste Massnahme überhaupt, gute Blutzucker- und Blutdruckwerte sowie Rauchstopp verlangsamen das Fortschreiten nachweislich
- Medikamenteninjektionen (Anti-VEGF): Standard beim diabetischen Makulaödem, sie senken die Schwellung und können die Sehschärfe verbessern
- Laserbehandlung der Netzhaut: bei minderdurchbluteten Arealen und Gefässneubildungen, um Blutungen und Netzhautablösung zu verhindern
- Vitrektomie: bei nicht abklingender Glaskörperblutung oder Zug an der Netzhaut
