Die geographische Atrophie ist ein spätes Stadium der trockenen AMD. Dabei sterben Zellen der zentralen Netzhaut langsam ab. Dies führt zu bleibenden blinden Flecken im Zentrum des Sehens. Eine Heilung ist derzeit nicht möglich, nur eine Verlangsamung des Verlaufs. Ziel ist es, die verbleibende Sehkraft möglichst lange zu erhalten.
Wie eine geographische Atrophie entsteht
Am Anfang steht die trockene AMD mit Ablagerungen unter der Netzhaut. Über Jahre gehen darunter Zellen des Pigmentepithels zugrunde, und weil diese Schicht die Sehzellen ernährt, sterben in der Folge auch die Photorezeptoren ab. Zurück bleiben scharf begrenzte Areale ohne funktionsfähige Netzhaut. Weil sich diese Bezirke bei der Untersuchung wie Landkarten ausnehmen, spricht man von geographischer Atrophie. Eine wesentliche Rolle spielt dabei eine chronische Überaktivierung des Komplementsystems, eines Teils der körpereigenen Immunabwehr. Genau hier setzen die neueren Therapieansätze an.
Diagnose in unserer Praxis
Die Atrophieareale lassen sich mit bildgebenden Verfahren präzise darstellen und vermessen. Die optische Kohärenztomografie (OCT) zeigt den Verlust der Netzhautschichten im Querschnitt, die Autofluoreszenz-Aufnahme macht die betroffenen Bezirke flächig sichtbar und lässt erkennen, an welchen Rändern die Erkrankung aktiv fortschreitet. Da sich die Fläche typischerweise um wenige Quadratmillimeter pro Jahr ausdehnt, ist der Vergleich mit Voraufnahmen entscheidend. Ebenso wichtig ist bei jeder Kontrolle die Frage, ob zusätzlich eine feuchte AMD hinzugekommen ist. Diese wäre unmittelbar behandelbar.
Therapiesituation und was heute möglich ist
Abgestorbene Netzhaut lässt sich nicht ersetzen. Ziel jeder Behandlung ist deshalb, das Fortschreiten zu bremsen. In den USA sind mit Pegcetacoplan und Avacincaptad Pegol zwei Komplementhemmer zugelassen, die in Studien das Flächenwachstum der Atrophie um rund 14 bis 20 Prozent verlangsamten. Sie werden regelmässig in den Glaskörper injiziert. In Europa wurde die Zulassung von Pegcetacoplan durch die EMA abgelehnt, weil dem verlangsamten Flächenwachstum kein klar belegter Nutzen für das tatsächliche Sehvermögen gegenüberstand. Die Verfügbarkeit in der Schweiz ist entsprechend eingeschränkt und verändert sich; falls diese Frage für Sie relevant wird, klären wir den aktuellen Stand und eine allfällige Kostenfrage individuell ab.
Wirksam und heute schon verfügbar sind: konsequenter Rauchstopp, Einstellung von Blutdruck und Blutzucker, UV-Schutz, geprüfte Nahrungsergänzung nach dem AREDS-2-Schema bei passendem Befund sowie vergrössernde Sehhilfen und Beratung zu Beleuchtung und Kontrasten im Alltag. Regelmässige Kontrollen bleiben zentral, um einen Übergang in die feuchte Form nicht zu verpassen.
